Es gab nie ein hässliches Entlein. Acht Wege, mehr Liebe in die Welt zu bringen.

Die Geschichte vom hässlichen Entlein kennt jedes Kind. Aber sie wird meistens falsch erzählt.

Es gab nämlich nie ein hässliches Entlein. Da war von Anfang an ein Schwan — nur hat es niemand gesehen. Nicht die Enten am Teich, und der Schwan selbst am allerwenigsten.

Genau das passiert Menschen ständig. Wir laufen durch unser Leben mit einer Bewertung über uns, die uns irgendwann jemand aufgedrückt hat, und behandeln sie wie eine Tatsache. Brené Brown hat dafür einen Gedanken geprägt, der mir seit Jahren nachgeht: Unvollkommen sein und trotzdem dazugehören ist kein Widerspruch. Man muss nicht erst fertig werden, um es wert zu sein.

Der Anstoß für diesen Text kam von einem Beitrag von Arvind Devalia auf Tiny Buddha: https://tinybuddha.com/blog/8-simple-tips-to-bring-more-love-into-the-world/ — ich habe ihn gelesen, mich in einigen Punkten ertappt gefühlt und ihn hier in meiner eigenen Sprache und für meinen Alltag neu aufgeschrieben.

Woran wir unsere Energie verschwenden

Wir stecken erstaunlich viel Kraft in Dinge, auf die wir null Einfluss haben. Das Wetter. Die Verspätung. Was andere über uns denken. Und wir stecken erstaunlich wenig Kraft in das Einzige, das wir wirklich steuern können: wie wir uns verhalten, wenn es gerade unpassend ist.

Dazu kommt die stille Grundannahme, dass es immer noch ein Morgen gibt. Gibt es nicht zwangsläufig. Das ist keine Küchenphilosophie, das ist einfach der Stand der Dinge — und der Grund, warum sich der Blick darauf lohnt, was am Ende wirklich zählt.

Aus meiner Sicht zählt genau eine Sache: wie wir mit den Menschen umgehen, die uns wichtig sind. Nicht die Größe des Hauses, nicht der Kontostand, nicht die Firmenkennzahlen. Ich baue seit über zwanzig Jahren Unternehmen auf und habe tausende Betriebe digitalisiert — ich weiß, wie verführerisch Zahlen sind, weil sie messbar sind. Beziehungen sind es nicht. Und trotzdem sind sie das, was bleibt.

Liebe ist dabei nicht das, was uns der Handel jeden Februar verkaufen will. Zwölf überteuerte Rosen sind keine Haltung. Gemeint ist etwas Unspektakuläreres: Zuwendung im Alltag, auch dann, wenn sie einen etwas kostet.

Wo die Liebe im entscheidenden Moment verschwindet

Ehrlich betrachtet fällt jedem von uns eine Reihe von Momenten ein, in denen wir nicht der Mensch waren, der wir sein wollten. Ungeduldig mit den eigenen Eltern, laut mit den eigenen Kindern, verletzend gegenüber Mitarbeitern, weil der Tag schon vorher schlecht war. Die Momente, die man nicht mehr zurückholen kann.

Der gemeinsame Nenner ist fast immer derselbe: fehlende Selbstwahrnehmung. Wer im Affekt handelt, merkt erst hinterher, was er getan hat. Wer sich selbst beim Hochkochen zusehen kann, hat eine Wahl.

Genau daran lässt sich arbeiten. Nicht mit großen Vorsätzen, sondern mit ein paar sehr konkreten Handgriffen.

Acht Wege, mehr Liebe in die Welt zu bringen

1. Die Jahresfrage stellen. Wenn sich ein Konflikt anbahnt: Rede ich in einem Jahr noch darüber? In neun von zehn Fällen lautet die Antwort nein. Dann ist es das auch nicht wert.

2. Rausgehen, bevor man etwas sagt, das bleibt. Abstand ist kein Ausweichen. Ein Satz im Affekt braucht drei Sekunden und begleitet eine Beziehung manchmal jahrelang.

3. Die Rollen tauschen. Wie möchte ich behandelt werden, wenn ich an seiner Stelle wäre? Und dann genau so handeln — eher noch eine Spur großzügiger.

4. Daran denken, dass jeder einmal klein und hilflos war. Der schwierige Kunde, der schroffe Kollege, der bockige Teenager: alle waren einmal ein Kind, dem man alles zugetraut hat. Das ändert den Ton.

5. Das Beste im anderen suchen. Jeder handelt nach bestem Wissen und Stand seiner Möglichkeiten. Wer davon ausgeht, sucht nach Lösungen statt nach Schuld — und findet in der Regel auch welche.

6. Aus kaputten Beziehungen lernen statt sie abzuhaken. Was war mein Anteil, und was mache ich beim nächsten Mal anders? Das ist unangenehm, aber es ist die einzige Frage, die etwas verändert.

7. Vorbilder befragen. Was würde der Mensch, den ich fachlich und menschlich am meisten schätze, in dieser Situation tun? Das schafft in Sekunden Distanz zum eigenen Ärger.

8. Es sich zur Aufgabe machen. Nicht als Vorsatz fürs neue Jahr, sondern als Grundhaltung. Zwei Fragen reichen dafür: Was würde die Liebe jetzt tun? Und wie bringe ich mehr davon in die Welt?

Der Weg nach vorne

Als Hap-Ki-Do-Trainer stehe ich regelmäßig vor Kindergruppen, und das ist jedes Mal dieselbe Erinnerung: Kinder entscheiden nicht danach, wie viel jemand kann, sondern danach, wie er sie behandelt. Erwachsene machen das im Kern genauso — sie sagen es nur nicht mehr so deutlich.

Es gab nie ein hässliches Entlein. Es gab einen Schwan, der eine Weile gebraucht hat, um es zu merken. Bei den meisten Menschen, denen ich begegne, ist es genauso.

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