Youth Entrepreneurship Week Leibnitz: In vier Tagen von der Idee zum Pitch

Am Montag hatten die Teams eine grobe Richtung. Am Donnerstag standen sie mit Prototyp, Website und Zahlen vor der Jury.

Dazwischen lagen vier Tage Youth Entrepreneurship Week an der BHAK BHAS Leibnitz, und ich durfte gemeinsam mit Manuel Kleinböck als Mentor und in der Jury dabei sein. Hier schreibe ich auf, was in dieser Woche passiert ist, welche Ideen auf der Bühne standen und was ich als Unternehmer daraus mitnehme.

Was die Youth Entrepreneurship Week ist

Die Youth Entrepreneurship Week (kurz YEW) holt Unternehmertum direkt ins Klassenzimmer. Schülerinnen und Schüler entwickeln in Teams innerhalb weniger Tage eine eigene Geschäftsidee, bekommen dabei Feedback von Mentorinnen und Mentoren aus der Praxis und präsentieren ihr Ergebnis am Ende in einem Pitch vor einer Jury.

In Leibnitz haben Michael Yang und Marlene von human-intelligence.studio die Woche geleitet. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule haben die Organisation im Hintergrund getragen und ihre Klassen die ganze Woche begleitet. Wir Mentoren hatten eine Doppelrolle: unter der Woche Fragen stellen, am Donnerstag bewerten.

Montag: Ideen, die noch vage sind

Jede gute Idee fängt unscharf an. Am Montag klang vieles noch nach „etwas mit Gesundheit“ oder „irgendwas für Gamer“. Das ist kein Fehler, sondern der normale Ausgangspunkt. Spannend ist, wie schnell aus so einem Gefühl ein konkretes Angebot wird, wenn man die richtigen Fragen stellt.

Mentoring: die richtigen Fragen statt fertiger Antworten

Im Mentoring geht es nicht darum, den Jugendlichen eine Lösung vorzusagen. Die Fragen, die ich in solchen Gesprächen stelle, sind fast immer dieselben, und sie sind dieselben, die ich mir bei jedem neuen Projekt in meinen eigenen Unternehmen stelle:

Wer genau kauft das, und in welcher Situation? Welches Problem ist so lästig, dass jemand dafür Geld ausgibt? Was kostet es, das herzustellen, und was darf es kosten? Und: Was könnt ihr bis Donnerstag wirklich zeigen?

Die letzte Frage ist die wichtigste. Ein Pitch wird nicht durch große Worte überzeugend, sondern durch etwas, das man anfassen, ausprobieren oder anklicken kann.

Donnerstag: drei Ideen, die hängen geblieben sind

Am Donnerstag wurde gepitcht. Drei Teams möchte ich hier stellvertretend zeigen, weil sie gut zeigen, wie unterschiedlich die Ansätze waren.

Mixo To Go: Frühstück im Glas für unterwegs

Mixo To Go ist ein Frühstück im Glas: Hafer, Früchte und Nüsse, fertig abgestimmt. Man gießt Milch dazu, stellt das Glas zwei Minuten in die Mikrowelle und hat ein warmes, sättigendes Frühstück, egal ob im Büro, in der Schule oder an der Uni.

Das Team hatte nicht nur eine Präsentation, sondern eine fertige Website als Prototyp, mit Sorten, Ablauf und klarem Nutzenversprechen. Auf dem Jurytisch standen Kostproben im Glas. Besser kann man „zeig es, statt es zu erklären“ kaum umsetzen.

4Rage: ein Gaming-Drink mit klarer Zielgruppe

4Rage ist das Konzept für einen Gaming-Drink in drei Sorten: Cherry, Citrus und Mango. Der Claim auf der Website: „Dein Game. Dein Fokus.“

Was mir gefallen hat: Die Zielgruppe ist eindeutig, das Design der Dosen spricht genau diese Zielgruppe an, und auch hier lief eine eigene Website mit Produktseiten, FAQ und Shop-Bereich bereits im Browser.

unplugged: das Handy nutzen, damit man es weglegt

Die vielleicht mutigste Idee kam vom Team unplugged. Ihr Satz auf der Folie: „Wir nutzen das Handy, um Menschen dazu zu bringen, es wegzulegen.“

Die App stellt Missionen, die man draußen erledigt, belohnt Serien und lässt Freunde einander anfeuern. Slogan: „Handy weg. Crew raus.“ Dass ausgerechnet Jugendliche eine App gegen zu viel Bildschirmzeit entwerfen, zeigt, wie genau sie ihr eigenes Umfeld beobachten.

Was ich als Unternehmer aus dieser Woche mitnehme

Erstens: Niemand hat gewartet, bis alles perfekt war. Die Teams haben gebaut, gezeigt, Feedback geholt und nachgeschärft. Genau so funktioniert Unternehmertum, und genau das verlernen viele Erwachsene, die eine Idee jahrelang im Kopf mit sich herumtragen.

Zweitens: Die Werkzeuge sind heute für alle da. Eine funktionierende Website als Prototyp war früher ein Projekt für eine Agentur. In dieser Woche haben Schülerteams das innerhalb weniger Tage selbst gebaut, zum Teil mit KI-Werkzeugen. Der Abstand zwischen Idee und erstem sichtbaren Ergebnis ist so klein wie nie.

Drittens: Mut ist trainierbar. Vor einer Jury zu stehen und die eigene Idee zu verteidigen, ist für Jugendliche eine echte Hürde. Jede Gruppe hat sie genommen. Ob sie gewonnen haben oder nicht, diese Erfahrung bleibt.

Warum Entrepreneurship in die Schule gehört

Unternehmerisches Denken heißt nicht, dass jeder ein Unternehmen gründen muss. Es heißt, Probleme zu erkennen, Lösungen auszuprobieren und Verantwortung für ein Ergebnis zu übernehmen. Das brauchen Betriebe von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genauso wie Gründer von sich selbst.

Formate wie die Youth Entrepreneurship Week machen das in wenigen Tagen erlebbar. Ich mache bei so etwas gerne wieder mit.

Danke

Danke an Michael und Marlene von human-intelligence.studio für das Format und die Einladung, an das Lehrerteam der BHAK BHAS Leibnitz für die Organisation, an Manuel Kleinböck, mit dem ich diese Woche gemeinsam bestritten habe, und an alle Kolleginnen und Kollegen in Mentoring und Jury. Vor allem aber danke an alle Schülerinnen und Schüler für euren Mut. Bleibt dran!

human-intelligence.studio: https://human-intelligence.studio

BHAK BHAS Leibnitz: https://www.hak-leibnitz.at

Die Fotos der Woche gibt es auch als Beitrag auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DeH9xRRkdGe/

Hopfenernte mit meiner Mama →